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08.02.2017 11:28

Ohne Schiedsrichter gibt es keine Spiele - Matthes Westphal über Förderung und Probleme

Tätliche Angriffe und Beleidigungen machen den Schiedsrichtern schwer zu schaffen - nicht nur im Fußball. Verzweifelt suchen die Verbände Nachwuchs und gehen neue Wege. Hero Warrings von n-tv.de sprach unter anderem mit HVB-Mitarbeiter Matthes Westphal (Beisitzer im Schiedsrichterausschuss) über die Probleme im Handball und über das Engagement, die Zahl der Schiedsrichter zu erhöhen.


Auch beim Handball müssen sich die Verbände sehr anstrengen, Schiedsrichter zu gewinnen und insbesondere zu halten. Matthes Westphal, Beisitzer im Schiedsrichterausschuss des Handballverbands Berlin berichtet gegenüber n-tv.de, dass in der Hauptstadt zwar 200 Schiedsrichter aktiv sind - doch seien das immer noch 100 zu wenig für einen rundlaufenden Saisonbetrieb. "Die verhältnismäßig geringe Aufwandsentschädigung, der hohe Zeitaufwand und vor allem der häufig unsportliche Umgang der Beteiligten mit unseren Schiedsrichtern macht dieses Ehrenamt nicht sonderlich attraktiv." Das führe dazu, dass ein Großteil der zumeist jungen Absolventen zügig wieder aufhören.

Der Verantwortliche beim Berliner Fußballverband sieht die Trainer in besonderer Verantwortung - als Vorbilder für Jugendliche. "Mich ärgert es sehr, wenn ich im Fernsehen einen Bundesligatrainer sehe, der sich daneben benimmt, oder wenn Spieler den Schiedsrichter angehen", sagt Bodo Brandt-Chollé. "So ein unangemessenes Verhalten aus der Bundesliga spiegelt sich immer auch bei unseren Spielen wider. Das kann doch nicht sein!". Seit einiger Zeit greifen sie in Berlin härter durch. Wenn sich Spieler oder Trainer daneben benehmen oder gar handgreiflich werden, werden sie schneller bestraft. Lange Sperren folgen. "Häufen sich bei Mannschaften die unsportlichen Vorfälle, kann deren Verein sogar vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden", betont Brandt-Chollé. Das habe abschreckende Wirkung.

Im Jahr gibt es zwischen 40 und 50 Sportgerichtsurteile im Berliner Fußball. "Da werden auch mal ganze Mannschaften zum Anti-Gewalt-Kurs geschickt und dürfen erst wieder mitmachen, wenn der Kurs absolviert wurde. Die Rückfallquote ist dann zum Glück gering", berichtet Brandt-Chollé. Bezahlen muss das Anti-Gewalttraining übrigens der Verein oder der Betroffene selbst.

Pro Jahr bildet der Berlins Fußballverband zwischen 150 und 160 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus. Damit sie in Stresssituationen richtig reagieren, werden junge Schiedsrichter intensiv betreut. "Beim ersten Einsatz eines jungen Unparteiischen läuft nun immer ein erfahrener Referee als Begleitung mit. Er gibt Ratschläge und schützt den Nachwuchs somit auch vor dem, was auf ihn einprasselt", berichtet Brandt-Chollé. Drei Monate dauert diese Begleitung. "So wollen wir auch vermeiden, dass junge Unparteiische schnell wieder die Lust verlieren. Diejenigen, die das erste Jahr auf dem Platz überstanden haben, bleiben meist länger dabei."
Ohne Schiedsrichter gibt es keine Spiele

Auch der Handball-Verband Berlin hat den praktischen Teil der Ausbildung erhöht. "Die Anfänger werden von uns intensiv vorbereitet, dass die Atmosphäre in den Sporthallen leider nicht immer die freundlichste ist", berichtet Matthes Westphal, Besitzer im Schiedsrichterausschuss beim HVB. Das soll auch Stress vermeiden. "Irgendwann heißt es dann aber auch Augen zu und durch! Learning by doing.", Im Hauptstadt-Handball haben sie auch ein Jung-Schiedsrichterprojekt mit eigenem Schiedsrichterkader etabliert. Ein Weg den Nachwuchs zu fördern und an sich zu binden. Denn ohne Schiedsrichter gibt es keine Spiele.

Im Gegensatz zum Fußball gibt es beim Handball gesitteter zu (siehe kompletter Bericht von n-tv.de). Die Gegner packen im Spiel zwar hart zu, aber von Prügeleien am Sechs-Meter-Kreis keine Spur. Trotz Stress, langer Anfahrten und mancher Diskussion haben viele Schiedsrichter auch viel Spaß. Kein Wochenende ist wie das vorherige. Es kann immer was Unerwartetes passieren, wie Luka aus Berlin erzählt. So bei einem Match der weiblichen B-Jugend, die der 16jährige gepfiffen hatte. Das Spiel läuft, plötzlich zappelt der Handball in einem Fangnetz hinter dem Tor und steckt fest.

Die gleichaltrigen Spielerinnen schauen Hilfe suchend zu Schiedsrichter Luka und deuten auf den Lederball hoch oben im Netz. Der Schiedsrichter nimmt sich ein Herz und klettert hoch, um den Ball zu befreien. "In der gut gefüllten Halle war es auf einmal mucksmäuschenstill, alle schauten zu wie ich mehrfach versuchte hoch zu klettern, so viel Aufmerksamkeit hatte ich lange nicht", erinnert sich Luka und muss grinsen. Es gelingt ihm, den Ball zu befreien. "Als ich wieder auf dem Hallenboden stand, jubelten alle Zuschauer und ich bekam Standing-Ovation!" Das sei ihm auch noch nie passiert, sagt Luka und muss lachen.

Den vollständigen Artikel von Hero Warrings mit zusätzlichen Beispielen aus dem Fußball gibt es bei n-tv.de.